“Ich will nicht, dass irgendwelche kleinen Kinder meine Boxershorts für mich produzieren müssen” – das Interview mit Robin Abramović

Robin Abramović

Zufälligerweise erhielten wir vor ca. 4 Wochen die Möglichkeit uns mit dem Streetart-Künstler Robin Abramović zu unterhalten. Dieser war für ein paar Tage in Frankfurt zu Besuch und wir nutzen die Zeit für ein interessantes Gespräch.

Robin Abramović stammt ursprünglich aus Wien – in dieser Stadt begann er sich auch mit Urban Art zu beschäftigen. Sieht man seine Arbeiten, so fällt einem sofort der Vergleich zu Banksy ein – insbesondere sein Neben-Projekt „Bambsy“ erinnert stark an den britischen Streetart-Künstler – bewusst, wie uns Robin später im Interview erklärt.

Robin ist mittlerweile so erfolgreich mit seiner Kunst geworden, dass er mehr oder weniger gut von dieser Leben kann und dadurch die Freiheit hat, sich komplett seiner Kunst zu widmen bzw. in Länder zu ziehen, ohne dort gleichzeitig der Lohnarbeit nachgehen zu müssen.

Mit Robin haben wir uns u.a. über Puber, den Balkankrieg in den 90ern, den Beef zwischen Graffiti und Streetart und das Sprayen in Connewitz unterhalten.

Hallo Robin, vielen Dank, dass Du Dir Zeit für ein Interview genommen hast. Kannst Du Dich kurz vorstellen?

Ich bin Urban Art-Künstler, der im Prinzip von kleinen Stencils,

Sprüchen, Murals bis irgendwelchen Kreidezeichnungen auf Wänden so ziemlich alles tut…

Bedeutet das auch, dass Du Buchstaben malst?

Nein, nein, keine Buchstaben…also kein Graffiti.

Malst Du eher legal oder illegal?

Das kommt drauf an, generell ist es cool im legalen Bereich zu malen, ansonsten gibt es im illegalen oft genug Spots wo man in Ruhe malen kann..

Also zum Beispiel Leerstände?

Ja genau..

Du kommst ja aus Wien – malst Du dann in Wien?

Ja, ich komme zwar aus Wien wohne aber aktuell in Leipzig und ziehe jetzt nach Kroatien, wo extrem viele Häuser leer stehen.

Seit wann lebst Du in Leipzig?

Seit April 2017.

Was hat Dich dazu bewogen nach Leipzig zu ziehen?

Ich habe vorher in Bosnien gelebt, was ein ziemliches Ghetto ist und ich habe eigentlich kein Bock mehr auf Ghetto gehabt und bin dann ein nach Deutschland gegangen.

Generell ist es ja recht ungewöhnlich in Länder des ehemaligen Jugoslawien zu ziehen – hast Du in diesen Ländern dann dort als „reiner“ Künstler gelebt?

Ja!

Mural an einem leerstehenden Gebäude in Kroatien

D.h Du konntest Dich dann auch in dieser Zeit als Künstler finanzieren?

Fast gar nicht.

Konntest Du Unterschiede festmachen bspw. zwischen Bosnien und Österreich?

Ich habe in der Stadt gelebt (Mostar), die als absolute Problemstadt gilt, was das Thema Co-Existenz der dortigen Bevölkerung angeht…

Was meinst Du konkret mit Co-Existenz?

Es gibt Bosniaken, die sind muslimisch, dann gibt es noch den serbischen Anteil, die sind orthodox und die Kroaten dann, die eher christlichen Glauben sind.

Was ja, glaube ich, ein Grund für den damaligen Balkankonflikt in den 90ern war…

Genau. Und diese Spannungen, die dort in Mostar vorhanden sind, führen dazu, dass die Menschen dort nicht über die Brücke in Mostar gehen („Die Brücke von Mostar“ – sozusagen ein Sinnbild der Einheit – Anmerk. der Redaktion). Aber es ist da halt dort teilweise total ghettomäßig weil vieles nicht wieder aufgebaut worden ist. Also oft sieht man noch die Einschusslöcher in den Fassaden der Gebäude.

Vielleicht nochmal zu deiner Finanzierung, da Du ja in Bosnien bzw. Mostar keine Jobs gehabt hattest – Du bist dann mit deinem Ersparten sozusagen dahingezogen und hast dort dein Geld peu a peu aufgebracht?

Ja, genau.

Ok, und kannst Du nochmal konkret erläutern, warum Du gerade nach Bosnien ziehen wolltest?

Im Wesentlichen, weil man eben in diesen Kriegsruinen sehr cool malen kann. Auch, weil es dort billig ist zu leben und weil ich mittlerweile Menschen welche aus armen Verhältnissen kommen, mehr wertschätze als Menschen aus reichen Ländern.

Und jetzt willst Du wieder dahin zurück?

Jein, jetzt möchte die angenehmere Variante, in dem ich einfach nach Kroatien gehe, da ist alles mehr oder weniger tip top und ich kann aber trotzdem Bilder malen, da es auch hier genug Häuser gibt, die leerstehen…

Wann möchtest Du dann umziehen?
Bereits nächste Woche. Ich bin gerade dabei eine Wohnung zu suchen, nen paar Leute kenne ich dort auch.

Ganz allgemein: Du kannst schon von deiner Kunst leben?

Also ich benötige jetzt keinen Nebenjob oder so. Ich verkaufe in meinem Onlineshop zum Beispiel Fotos von meinen Bildern, bzw. verkaufe Bilder an sich. Im Moment male ich viel Holzbilder (gebrauchte Holzplatten etc.), weil man die einfach transportieren kann. Sieht auch oft viel schöner aus als auf einer sterilen Leinwand. Also jetzt auf Kroatien bezogen: hier suche mir halt in Leerständen etc. Holzplatten, bemale diese und versuche die über meinen Shop zu verkaufen.

Generell muss man ja sagen, dass es doch eine recht ungewöhnliche Entscheidung ist, dort hinzuziehen. Wie sieht es mit der Verständigung aus?

Also englisch sprechen können die Menschen dort eigentlich ganz gut, das liegt auch daran weil es im Fernsehen keine synchronisierten Filme gibt. D.h. jeder versteht dich, reden ist aber eher schwieriger. Aber kroatisch an sich zu lernen, ist wirklich kompliziert – also ich kann es mittlerweile ein bisschen, aber vielen Gesprächen kann ich in der Regel gar nicht folgen.

Zurück wieder zur Streetart bzw. zu deinem Projekt „Bambsy“ – wie wird das eigentlich ausgesprochen?
Ich weiss es ehrlich gesagt gar nicht…

Es ist ja zu mindest erstmal eine Wortschöpfung aus Bambsy und Banksy…

Ja, schon, wenn du halt Banksy als „Banksy“ („Bänksy“) aussprichst müsstest du Bambsy auch als Bambsy („Bämbsy“) aussprechen.

Ja, ok, aber kann es der Künstler denn nicht festlegen?

Ich könnte es im Prinzip festlegen, aber es ist okay wenn die Leute es aussprechen, wie sie es wollen…

Und du selbst?

Ich würde auch eher Bambsy („Bämbsy“) sagen.

Also was mich anfangs etwas irritiert hatte, dass Du allein durch den Namen einen so starken Bezug zu Banksy herstellst – denn ist nicht so, dass jeder Künstler den Spruch „Das sieht ja aus wie..“ als störend empfindet?

Das Ding ist, dass es nicht um ihn als Person geht, sondern dass Banksy für Streetart ganz allgemein steht, dass es mir generell um das Movement Urban Art geht. Und darauf möchte ich Bezug nehmen.

D.h. dann aber auch, dass Du Banksy feierst?
Ja, ich feier ihn schon. Ich halte ihn auf mehren Ebenen für sehr genial, für das, was er tut – ich finde, er ist ein hochintelligenter Mensch. Ok, er hat da Moves gemacht, die waren grenzwertig (teilweise Aktionen die eigentlich reines knallhartes Marketing darstellen), aber die Art und Weise wie er sich als Künstler bewegt ist unglaublich.

Generell ist es so, dass Schablonenbilder, die etwas gesellschaftskritisches ansprechen, eigentlich immer nach Banksy aussehen…

Ok, Banksy bzw. Streetart, die seine Sachen aufgreifen, ist ja eine Kunst, die gesellschaftskritisch sein will – kannst Du deine Kritik nochmals konkreter ausführen? Also was ist Deine Kritik und wie würde für dich eine „perfekte“ Gesellschaft aussehen?

Ich glaube, dass wir uns als Menschen weiterentwickeln und irgendwann mal reif genug sind Dinge

wie Demokratie sinnvoll zu leben. Im Moment ist der Mensch meiner Meinung nach nicht im Stande, Demokratie zu leben, weil einfach gezeigt wird, dass Demokratie für Menschen gemacht ist, die politisch gebildet sind und nicht für welche, die etwas wählen, weil man ein Wahlplakat cool findet, oder irgendeinen Spruch.

Im Moment bin ich zumindestens kein Fan von Demokratie, ich bin eigentlich Anarchist, glaube aber dass die Menschen irgendwann soweit entwickelt sind, dass sie friedlich miteinander leben können, dass man sich nicht gegenseitig in die Fresse schlägt. Und Kapitalismus ist einfach böse – weil er nach den Prinzipien „der Stärkere gewinnt“, funktioniert, und dass Menschen in diesem System unterdrückt werden, und dass es keine Werte im Kapitalismus gibt. Die Güter sind auf der Welt ungerecht verteilt und ich will nicht, dass irgendwelche kleinen Kinder meine Boxershorts für mich produzieren müssen.

Aber Anarchie funktioniert jetzt noch nicht, dazu sind die Leute noch nicht reif genug.
Wichtig ist für mich der Grundsatz „Meine Freiheit endet da, wo die Freiheit des anderen beginnt“ – das wäre für mich ein entscheidender Grundsatz.

Also nochmal zusammengefasst: Insgesamt wäre schon Anarchie ein System welches ich bevorzugen würde, glaube aber, dass dieses zu utopisch ist, so dass ich denke, dass erst einmal eine vernünftige Demokratie erstrebenswert sein sollte.

Ok, kommen wir wieder auf ein anderes Thema zu sprechen? Wie ist denn dein Verhältnis zu Graffiti – bekanntermaßen verstehen sich beide ja oft nicht so gut…

Ich mag Graffiti – ich bin zwar extrem schlecht meinen Namen irgendwo hinzuschreiben, aber ich bombe bspw. einen bestimmten Character die ganze Zeit und den haben eigentlich alle anderen als Graffiti eingestuft.

Ok, aber zum Beispiel auf den Slogan „Graffiti hates Streetart“ bezogen – diesem Hass, dieser Ablehnung bist Du noch nicht begegnet?

Doch. Aber ich finde ihn ganz witzig. Dieser Hass basiert aber drauf, dass sie (die Graffitimaler) mega angepisst sind, wie akzeptiert Streetart ist. Also weil ja Graffiti oft so beschimpft wird a la „die pissen da wie Hunde hin“. Ich kann da den Neid schon verstehen, kann das nachvollziehen, finde ich absolut „menschlich“- also eine solche Wut zu haben – aber die Graff-Maler, die ich kenne, haben kein Problem mit Streetart. Weil die gecheckt haben, dass es um Kunst geht.

Kennst Du eigentlich Puber?

Ja, klar, ich komm aus Wien! Jeder kennt ihn da.

Kennst Du ihn eigentlich persönlich?

Nein, Nein.

Wie findest Du seine Sachen?

Ich feiers, ich feiers!

Obwohl er ja auch in Sachen von ROA (in Wien) reingegangen ist?

Egal, weil er einfach alles angemalt hat… Du kommst nach Wien und liest Puber. Du liest das jetzt noch. Puber steht fast überall.

Wie ist es denn in Wien Straße zu malen?

Also ich finde es nicht stressig. Wien ist einfach so anonym, niemand ruft die Cops, die Stadt ist in der Regel so laut, dass man nicht gehört wird. Ich denke je kleiner die Stadt wird, desto anstrengender wird es.

Also Leipzig, welches ja auch eine relativ große Stadt ist – hier kannst du die Kanne noch in der Hand halten und die Polizei fährt an dir vorbei, sehen dich – das ist denen scheiss egal, also gerade in Connewitz. Teilweise ist es sogar möglich, dass du da tagsüber malen kannst. Selbst ich finde das total krass.

Das ist mir aber auch schon aufgefallen, also wieviel da 2. Reihe gemalt wird…

Ja, genau. Ich hatte bspw. schon zweimal das Problem gehabt, dass ich malen war und direkt um die Ecke waren eigentlich die Bullen. Ich hatte die Hände voller Farbe, ich bin einfach an denen vorbeigelaufen. Oder teilweise sehen mich Leute beim Malen – egal – da gibt es keine Reaktionen. Ich habe manchmal sogar das Gefühl, dass die das von einem erwarten, weil man ja in Connewitz ist.
In Leipzig malen – das kommt mir schon zu einfach vor.

D.h. generell ist Dir ist bisher noch nichts passiert?

Ne, mir noch nicht.

Am Schluss: Du bist seit gestern in Frankfurt – das erste mal?

Jup. Das erste mal. Frankfurt ist halt für mich mich eine Bankenstadt, es schaut aus wie eine hochpolierte deutsche Bankenstadt. Und ich hatte ja ganz vergessen, dass die EZB ja hier ihren Sitz hat. Und der stehe ich ja eher feindlich gegenüber. Mir hat es hier nicht so gefallen…

Okay, Robin, dann bedanken wir uns ganz herzlich für das sehr interessante Gespräch und wünschen Dir für die Zukunft alles Gute!

5 Antworten

  1. Anonym sagt:

    Frankfurt hat auch keinen gefallen an dir… echt diplomatisch dieser Typ, als Schlusswort Frankfurt zu denunzieren.

  2. Anonym sagt:

    warum hast du die EZB nicht angemalen xDDD

  3. Anonym sagt:

    weil er in einem kleinem kuhdorf im balkan wohnt und dort leere häuser anmalt, da kann man schon mal angst bekommen vor so einem großen gebäude

  4. Anonym sagt:

    Kevim hat mir die Geschichte aber ganz anders erzählt… Was Sandra angeht, ich glaube die steht einfach auf soliden Tekkno, kann man ihr ja auch nicht verübeln, ich meine Thorsten gibt sich ja alle Mühe mit der Blockflöte aber irgendwie fehlt immer das gewisse Etwas, wenn du weisst was ich meine.
    Der Egon hat ja gesagt dass er die Tour mit Sarah und Manfred nicht bereut aber froh ist dass die Scheisse vorbei ist. Ich meine Wie kommt es eigentlich dass koffeinfreie Kola überhaupt verkauft werden kann? Klar liegt ja auch vor allem daran dass es Menschen gibt die bereit sind für das zeug Geld auszugeben. Ich frage mich halt ob es eher oder später für jeden Markt auch ein Produkt gibt oder ob es nicht vileicht so ist, dass es für jedes Produkt irgendwann einen Markt gibt. Gibt einem ja schon zu denken Bruder. Um den Bogen mal zurück zu spannen, das eine Teil in Paris war schon geil, nie so viel Gelb an einer Metro ausserhalb von Berlin gesehen. Also ich feier das digge. Nur mal so, was ist eigentlich mit dem zwanie, den du dir letztens von MIR gepumpt hast, haste den etwa auch schon an die Front National gespendet? Naja ist ja eigentlich auch egal, die geben das für fairtraide Koks und Dungeon Pron aus, das kurbelt dann die Wirtschaft hier in Bosnien an und davon üprofitieren wir ja alle irgendwie. Ist wie Karma oder Pizza mit Makaronie, knallt halt irgendwie doch meistens.

  5. Anonym sagt:

    wenn ich die beiden kommentare über mir lese, weiß ich warum ich nix mehr mit dieser graffiti/streetart geschichte zu tun haben möchte 🙂

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht.