Interview: Sert und die UAT (Urban Art Tanke, Saalfeld)

Wir freuen uns ein neues Interview mit Sert und dem Projekt Urban Art Tanke in Saalfeld präsentieren zu können! Alle folgenden Bilder sind bei der diesjährigen UAT aufgenommen. Vertretene Künstler waren unter anderem: Aids, Dork, Emmi, Faulenzer, Köter, Makro79, Mia & Taro, Mobar, Modi, Pork, Rays, Roweo, Sert, Shar und Sork. 



DKO
: Okay, erstmal zu dir. Ich bin auf dich durch das Projekt Urban Art Tanke aufmerksam geworden. Dazu hatten wir 2017 einen Post (https://kollektive-offensive.blogspot.com/2017/11/saalfeld-urban-art-tanke.html). Im Internet selbst ist das Projekt nicht so richtig präsent. Was steckt hinter dem Projekt der alten Tankstelle? Ist das eine freie Location für Writer oder werden die Wände einmal im Jahr legal mit diversen Künstlern neu gestaltet?

Sert: Wir wollen den Leuten bei uns in der Provinz zeigen das Graffiti halt nicht nur Chrom-Schwarz ist oder es sich auf Auftragsarbeiten bezieht,sondern das das ganze Ding halt auch Kunst sein kann. Deswegen versuchen wir auch das Qualitätslevel der einzelnen Writer ziemlich hoch zu halten. Außerdem sollte dem Normalbürger auch mal gezeigt werden das Sprüher durchaus sympathische Leute sind…😉 Die Wände werden am Veranstaltungstag bemalt und bleiben dann bis zur nächsten UAT stehen.

DKO: Wie lang gibt es das Projekt schon? Wie hat sich die ganze Sache entwickelt – war das anfangs mehr ein Freundesding und die Möglichkeit die Wände zu malen? Und wie sieht das aktuell aus: schreiben dich die Leute spontan an oder suchst du selbst nach passenden Writern?

Sert: Ich habe 2014 an der Tankstelle einen Auftrag gemalt. Und da hat mich Tobias (der Tankstellenchef) schon darauf angesprochen ob wir nicht mal mit mehreren Leuten ein paar mehr Wände malen wollen. Und so fand dann 2015 die erste UAT statt. Da waren dann auch hauptsächlich Sprüher aus dem näheren Umfeld da. Mittlerweile schreib ich auch andere Leute an, von denen ich denke sie passen gut ins Konzept. Mir ist da auch ein bunter Mix aus Style- und Charactermalern wichtig. Aber in den letzten zwei Jahren kommen auch immer mehr Anfragen diesbezüglich. Leider sind unsere Flächen etwas begrenzt was dazu führt das ich immer wieder Leuten absagen muss, obwohl ich sie gerne mit im Boot hätte. Mittlerweile ist auf dem Tankstellengelände auch so ziemlich jede Wand bemalt die irgendwie zu bemalen geht. Das ist schon ne coole Sache, dass die das als Firma so feiern.

DKO: Dieses Jahr wurden auch zwei Busse gemalt. Fragst du bei den Verkehrsbetrieben an oder wirst du sogar angeschrieben?

Sert: Ich sag mal so… Beziehungen sind nur schlecht, wenn man keine hat…. Die Verkehrsbetriebe waren da ziemlich angetan von der Idee und haben uns da auch einfach mal machen lassen. Und Graffiti muss halt auch durch die Stadt rollen. 😉

(mehr Bilder der Busse am Ende)

DKO: Wie ist der Zuspruch von Passanten oder allgemein in der Region? Es gab ja bereits Zeitungsartikel in der lokalen Presse (Anmerkung: der diesjährige Artikel der OTZ “22 Künstler beim Graffiti-Treffen” ist nicht mehr verfügbar).

Sert: Wir haben festgestellt, dass sich die meisten Passanten an dem Veranstaltungstag einfach nicht trauen da mal aufs Gelände zu kommen. Die schauen sich das dann lieber ein paar Tage später an. Die, die rein kommen, sind alle total begeistert und freuen sich natürlich, dass da was passiert in Saalfeld. Negative Reaktionen haben wir eigentlich nicht.

DKO: Du warst vor der UAT auch schon mit Graffiti unterwegs. Seit wann malst du und wie hat sich Graffiti für dich entwickelt?

Sert: Ich male jetzt seit 16 Jahren und habe klassisch mit Styles angefangen. Aber als damals in der Backspin das Maclaim-Special rauskam, war ich total angefixt von deren Arbeiten und habe daraufhin angefangen, mehr oder weniger, fotorealistisch zu malen. Trotzdem male ich heute noch gerne Styles.

DKO: Gibt es noch andere Projekte, bei denen du mitwirkst oder die du uns vorstellen willst?

Sert: Bei der ein oder anderen Gruppenaustellung mach ich schon mal mit, aber das hält sich alles in Grenzen

DKO: Deine Bilder auf Instagram (@simonson_sertone) zeigen detailiert ausgearbeite Werke und auch Photorealismus. Bist du als Auftragsmaler unterwegs?

Sert: Ich male nebenberuflich auch Aufträge – versuche aber auch, dass sich das Ganze die Waage hält mit freien Arbeiten.

DKO: Was sind deine Einflüsse und Inspirationen? Was hält dich am Graffiti?

Sert: Stylemäßig hat mich Gera stark beeinflusst. Bei meinen anderen Arbeiten zieh ich meine Inspiration eigentlich aus meinem ganzen Umfeld. Man muss da nur mit offenen Augen durch die Welt gehen. Da ergeben sich schon genug Motive.

Ja, was hält mich am Graffiti – ich denke, dass es die Motivation ist immer besser zu werden, dass man ne gute Zeit mit Freunden verbringt und das man den Kopf vom Alltag mal frei bekommt.

DKO: Wie siehst du die Graffitientwicklung generell in deiner Region? (kurzes was stört dich / was findest du gut)

Sert: Saalfeld hat, gemessen an der Einwohnerzahl, ne recht ordentliche Szene die Qualitativ auch echt gut ist. Und das schöne dabei ist das wir im Großen und Ganzen alle cool miteinander sind. Eher negativ sehe ich die ganze Fußball-Graffiti Geschichte. Die meisten haben da aber auch keinen Bezug zu Graffiti an sich. Das sind eher irgendwelche Revierkämpfe. Eine Entwicklung in Sachen Style sieht man da nicht.

DKO: Noch eine Message, die du uns mitgeben willst?

Sert: Danke an alle die jedes Jahr bei den Vorbereitungen und am Veranstaltungstag der UAT mithelfen. Ohne die ganzen helfenden Hände könnte das Ding wohl so nicht stattfinden.

DKO: Vielen Dank für deine Zeit! Bunte Grüße nach Saalfeld! Zum Abschluss noch ein paar Bilder der bunten Busse:

1 Antwort

  1. Anonym sagt:

    schon feierlich dass die denen die Busse überlassen haben.
    Hat so gar nichts mit dem graff zutun was ich eigentlich mag aber irgendwie ist das ja auch was anderes, da in der Ecke, auf jedenfall stark.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht.